Warum gibt es eigentlich Musterhäuser?

"So möchte ich wohnen" - wer das bei der Besichtigung eines Musterhauses denkt, ist ideal für das Verkaufsgespräch vorbereitet. (Foto: OKAL Haus)
"So möchte ich wohnen" - wer das bei der Besichtigung eines Musterhauses denkt, ist ideal für das Verkaufsgespräch vorbereitet. (Foto: OKAL Haus)

Überall in Deutschland gibt es Musterhäuser von Hausbauunternehmen. Manche sind in Musterhausparks mit vielen anderen Musterhäusern zusammen gebaut, andere findet man in Gewerbegebieten, an Ausfallstraßen oder Autobahnen und zum Teil auch noch an großen Baumärkten.

Musterhäuser werden für Bauinteressenten gebaut. Sie sollen den Menschen, die ein Haus bauen wollen Inspiration bieten, neue Ideen aufzeigen und das jeweilige Hausbauunternehmen präsentieren. In den Musterhausparks finden zukünftige Bauherren gleich viele ganz unterschiedliche Musterhäuser verschiedener Hersteller. Es macht Sinn, sich alle Häuser anzusehen und sich danach für den Stil zu entscheiden, der am Besten zu den eigenen Vorstellungen passt.

Die Musterhäuser der verschiedenen Hausbauunternehmen sind sehr gepflegt und oft besonders hochwertig ausgestattet. Oft sind sie deutlich größer als ein Durchschnittshaus – das hat den Effekt, dass die Räume großzügiger geschnitten sein können und so der Bauinteressent das Gefühl bekommt, dass er für sein Geld größere Räume bekommt. Auch die hochwertige Ausstattung, die von Innenarchitekten und Designern entworfen wird, sorgt für eine positive Wohlfühlstimmung. Natürlich ist auch das meist kleine Grundstück sehr nett angelegt, hier finden die zukünftigen Hausbesitzer einige gute Anregungen für die eigene Gartengestaltung.

"So möchte ich wohnen" - wer das bei der Besichtigung eines Musterhauses denkt, ist ideal für das Verkaufsgespräch vorbereitet. (Foto: OKAL Haus)
“So möchte ich wohnen” – wer das bei der Besichtigung eines Musterhauses denkt, ist ideal für das Verkaufsgespräch vorbereitet. (Foto: Musterhaus Wuppertal von OKAL Haus)

Insgesamt geht es um den “Wow-Effekt” – der Besucher soll beeindruckt sein und den Wunsch verspüren, selbst in einem so tollen Haus zu wohnen. So schafft das Musterhaus den idealen Rahmen für ein erfolgreiches Verkaufsgespräch.

Interessenten sollten hier einen Gang zurückschalten und für sich selbst den Realitätscheck machen. Man kann das mit dem Besuch im Autohaus vergleichen: Wer in der S-Klasse von Mercedes eine Sitzprobe macht und sich danach eine A-Klasse bestellt, wird gewisse Unterschiede feststellen. So ist es auch mit dem Musterhaus. Wer ein 400 m² großes Musterhaus mit Atrium, Kamin, Pool, Ankleidezimmern, Wellness-Bad und allen technischen Rafinessen besichtigt und dann ein Haus mit 140 m² und Standardausstattung baut, wird unter Umständen eine Enttäuschung erleben.

Sollte man den Hausherstellern deshalb zur Mäßigung raten? Sollten die besser einen Gang zurückschalten? Nun, es geht ja auch darum, einen Traum zu verkaufen und seine Leistungsfähigkeit zu beweisen und so ist es hier nicht anders als im Automobilgeschäft. Man wird nie einen Vorführwagen mit Magerausstattung finden – und so sind Musterhäuser natürlich auch vom Feinsten ausgestattet. Und doch sollten es die Hausbauunternehmen nicht überziehen. Wenn das durchschnittlich bestellte Haus eine Größe von 160 m² und einen Preis von 230.000 Euro hat (geschätzte Angaben), dann macht es wenig Sinn, Bauinteressenten durch Luxus-Villen im Wert von über einer Million zu führen, denn das ist nicht das, was sie sich leisten können.

Ein Fertighaushersteller hat vor etwa 10 Jahren genau diesen Fehler gemacht. Man baute nur noch teuerste Mansarddachvillen als Musterhaus, mit goldenen Wasserhähnen und elegantester Luxus-Ausstattung – doch verkauft wurden meistens dann doch “nur” 120 m² Häuser mit Standardausstattung.

Musterhauszentren gibt es an vielen Autobahnen in der Nähe einer Abfahrt. Hier das Musterhauszentrum in Köln (Foto: BDF)
Musterhauszentren gibt es an vielen Autobahnen in der Nähe einer Abfahrt. Hier das Musterhauszentrum in Köln während des Baus (Foto: BDF)

Ein Musterhaus ist wie der Showroom eines Autohändlers.

Bauinteressenten sind eingeladen, sich am Beispiel des Musterhauses von der Bauqualität des jeweiligen Hausbauunternehmens zu überzeugen. Zudem repräsentiert jedes Musterhaus den Stand der Haustechnik und Energieeinsparmöglichkeiten des Baujahres. So kommt es auch vor, dass ein Musterhaus abgerissen oder abgetragen und verkauft wird, weil es nicht mehr den letzten Stand der Technik und Hausbaumode darstellt.

Bei Musterhäusern wird nichts dem Zufall überlassen: Bis hin zum perfekten Lichtdesign präsentieren sich die Häuser von ihrer besten Seite. Hier im Bild das Musterhaus in Mannheim von OKAL. Ein Generationenhaus mit einer Hauptwohnung und einer kleineren Einliegerwohnung für die Eltern. (Foto: OKAL Haus)
Bei Musterhäusern wird nichts dem Zufall überlassen: Bis hin zum perfekten Lichtdesign präsentieren sich die Häuser von ihrer besten Seite. Hier im Bild das Musterhaus von OKAL in Mannheim. Ein Generationenhaus mit einer Hauptwohnung und einer kleineren Einliegerwohnung für die Eltern. (Foto: OKAL Haus)

Musterhäuser werden auch als Büros für die oft freiberuflich tätigen Vertriebsmitarbeiter genutzt, die vor Ort ihre Beratungs- und Verkaufsgespräche führen. Potenzielle Bauherren werden erst durch das Haus geführt, bei ernsthaftem Interesse geht es dann meist in ein Büro im ersten Stock des Musterhauses, wo der Berater dann auch seine Verkaufsunterlagen und weitere Materialien aufbewahrt.

Nicht nur für Bauinteressenten lohnt ein Besuch

Natürlich dient ein Musterhaus dazu, Bauinteressenten zu Bauherren zu machen. Allerdings können auch Hauseigentümer in Musterhäusern Anregungen für die zeitgemäße Einrichtung und mögliche Modernisierungsmaßnahmen bekommen. Das ist zwar nicht im Interesse des Hausbauunternehmens, denn das will ja neue Häuser verkaufen, aber gerade in den großen Musterhausausstellungen, für deren Besichtigung meist ein kleines Eintrittsgeld verlangt wird, lohnt ein Rundgang auch für die, die bereits gebaut haben oder ein älteres Haus besitzen. Man sollte nur so fair sein, dem Hausverkäufer, der einen sicher ansprechen wird, zu sagen, dass man sich nur umschaut. Und vielleicht möchte man nach dem Besuch der Ausstellung noch ein zweites Mal bauen? Die Haushersteller haben in den letzten Jahren eine Menge für die älter werdende Gesellschaft entwickelt. Da gibt es barrierefreie Häuser, Generationenhäuser, Bungalows und interessante Konzepte, wie man im eigenen Haus auch bis in hohe Alter unabhängig sein kann.

Das Internet als Präsentationsplattform wird durch Musterhäuser gut ergänzt

Im Internet findet man auf den Seiten der Hausbauunternehmen viele Hausvorstellungen. Mittlerweile sind die verwendeten Computeranimationen so gut, dass man sie kaum noch von Fotos unterscheiden kann. Und so kann (theoretisch) ein Unternehmen mit einer guten Internetseite eine Hausvielfalt präsentieren, die sie in der Realität noch nicht einmal gebaut haben.

Ankleideraum im neuen Musterhaus von OKAL in Bad Vilbel. (Foto: Hans-Rudolf Schulz)
Ankleideraum im neuen Musterhaus von OKAL in Bad Vilbel. Musterhäuser sollen in erster Linie begeistern und anregen. (Foto: Hans-Rudolf Schulz)

Beim Musterhaus ist das anders: Das wurde gebaut und steht als Zeugnis für die mögliche Bauleistung. Deshalb werden auch in den nächsten Jahren Musterhäuser eher noch zunehmen – das persönliche Gefühl, selbst durch ein Musterhaus zu gehen und Wände und Materialien berühren zu können, lässt sich trotz immer besser werdender 3D-Rundgänge und Virtual Reality-Entwicklungen nicht auf das Internet übertragen. Zudem haben so die Verkäufer die Möglichkeit, die Vorzüge ihrer Bauart (Fertighaus/Masshaus) und die Qualität der Bauausführung direkt am Beispiel zu zeigen.

Hohe Ausgaben für Musterhäuser

Da ein Musterhaus nicht nur eine Visitenkarte des Unternehmens, sondern auch ein gut funktionierendes Verkaufsinstrument ist, investieren die größeren Hausbauunternehmen jedes Jahr siebenstellig in den Ausbau ihres Musterhaus-Netzes in Deutschland. Idealerweise sollen überall in erreichbarer Distanz  hochwertige Musterhäuser das Vertriebsteam bei seiner Aufgabe unterstützen. Das kostet viel Geld, aber es funktioniert. Und zugleich wird damit eine Marktzugangsbarriere für neue Anbieter aufgebaut, die sich normalerweise keine Musterhäuser leisten können.

Bautermine und Kundenhäuser sind eine gute Alternative

Auf den Internetseiten der Hausbauunternehmen und auf den Unternehmensseiten bei facebook finden sich oft auch Einladungen zu Terminen. Hier finden Bauinteressenten Gelegenheiten zur Besichtigung von laufenden Bauprojekten oder gerade fertiggestellten Kundenhäusern. Wer sich ernsthaft für ein Hausbauunternehmen als Partner beim Hausbau interessiert, sollte solche Termine wahrnehmen, selbst wenn die Anreise auch mal etwas länger dauern kann. Hier kann man mit den Bauherren sprechen, die gerade ihre Bauerfahrung mit dem jeweiligen Unternehmen gemacht haben. So erfährt man aus erster Hand, worauf man achten sollte – das sind unbezahlbare Tipps und Insights.

 

 

Über Markus Burgdorf 207 Artikel
Markus Burgdorf ist Journalist und PR-Berater im Bereich Immobilien. Seit vielen Jahren schreibt er über alles, was mit Immobilien zusammenhängt. Er wohnt selbst in einer ehemaligen Schule, die er mit seiner Partnerin zum Wohnen und Arbeiten umbaut.

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