Neubau statt Totalsanierung: Modernisierung alter Häuser ist oft unrentabel

Ein Neubau hat gegenüber der Modernisierung oder Sanierung eines älteren Hauses viele Vorteile. Kaufinteressenten für ein Grundstück mit Altbebauung sollten deshalb abwägren, ob ein Abriss und Neubau nicht die bessere Alternative ist. (Foto BDF)
Ein Neubau hat gegenüber der Modernisierung oder Sanierung eines älteren Hauses viele Vorteile. Kaufinteressenten für ein Grundstück mit Altbebauung sollten deshalb abwägren, ob ein Abriss und Neubau nicht die bessere Alternative ist. (Foto BDF)

Das Traumgrundstück ist endlich gefunden. Jedoch steht ein altes, stark renovierungsbedürftiges Wohngebäude darauf, das weder den heutigen Anforderungen an den Wohnkomfort entspricht, noch einbruchsicher oder besonders energieeffizient ist. Solche Häuser haben oft große, schön eingewachsene und dadurch uneinsehbare Grundstücke. Wer auf den Immobilienportalen richtig recherchiert, findet auch Angebote, bei denen nur der Grundstückspreis zu zahlen ist, teilweise sogar abzüglich der Abrisskosten für die Bebauung.

Da stellt sich die Frage, ob eine teure und zeitaufwändige Sanierung überhaupt Sinn macht, oder ob man nicht lieber das alte Haus abreißt und ein schönes, neues Haus auf das Grundstück setzt. Um diese Entscheidung zu erleichtern, wird neuerdings im Fertighausbereich sogar schon eine Abrissprämie für solche Fälle angeboten – ein gutes Argument mehr für den Neubau.

Ein Neubau hat gegenüber der Modernisierung oder Sanierung eines älteren Hauses viele Vorteile. Kaufinteressenten für ein Grundstück mit Altbebauung sollten deshalb abwägren, ob ein Abriss und Neubau nicht die bessere Alternative ist. (Foto BDF)
Ein Neubau hat gegenüber der Modernisierung oder Sanierung eines älteren Hauses viele Vorteile. Kaufinteressenten für ein Grundstück mit Altbebauung sollten deshalb abwägen, ob ein Abriss und Neubau nicht die bessere Alternative ist. (Foto BDF)

„Bei einer grundlegenden Hausmodernisierung kommen schnell hohe Summen zusammen. Man denke nur an die Fenster, die Fassadendämmung, die Heizung, die Bodenbeläge, den Keller, das Dach und natürlich auch die oft maroden Strom- und Wasserleitungen im Haus“, so Dirk-Uwe Klaas, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF). Daneben müsse auch über eine zukünftige Barrierefreiheit nachgedacht werden. „Das bedeutet zumindest den Umbau des Badezimmers, denn je älter das Haus ist, umso weniger alterstauglich sind meistens die sanitären Einrichtungen.“

Tatsache ist, dass die Sanierung eines Hauses aus den 80 Jahren und älter weit teurer werden kann, als zunächst gedacht. Denn oft werden bei den geplanten und kalkulierten Arbeiten weitere Schwachpunkte oder Schäden entdeckt, die dringend beseitigt werden müssen, wenn die Modernisierung vernünftig abgeschlossen werden soll. Bei älteren Häusern mit Kellern findet man oft Durchfeuchtungen oder gar schon nasse Wände mit teils erheblicher Schimmelbildung. Hier gehen die Zusatzkosten dann schnell in die Zehntausende.

So kann sich das vermeintliche Haus-Schnäppchen unerwartet als teures Eurograb herausstellen, in dem man aufgrund des Grundrisses und Erscheinungsbildes mit weit größeren Kompromissen leben muss.

Zudem muss man sich – wie auch bei alten Autos – die Frage stellen, was das Haus nach der Investition in Modernisierung für einen Marktwert hat. Und da gibt es einfach Häuser, die aufgrund ihrer Lage, Größe oder Bauweise auch nach Abschluss aufwändiger Sanierung nicht den Wert haben, den man investiert hat.

Außerdem spielt das Thema Sicherheit eine immer wichtiger werdende Rolle: Alte Fenster und Türen bieten meistens nur einen Bruchteil des heute möglichen und nötigen Einbruchschutzes und sollten deshalb dringend nachgerüstet werden. „Alles in allem können so schnell Kosten von weit mehr als 100.000 Euro zusammenkommen. An diesem Punkt stellt sich die Frage, ob der Bau eines neuen Hauses nicht die bessere Vorgehensweise ist“, so Klaas.

Man investiert sein Geld beileibe nicht nur in mehr Energieeffizienz und eine neue Haustechnik: Bei vielen alten Häusern, die bis in die 1970er Jahre hinein gebaut wurden, waren zum Beispiel die Küche oder das Bad auf reine Funktionalität hin ausgelegt und sind von der Grundfläche her sehr klein. Heute jedoch sind gemütliche Wellness-Oasen und offene Wohn-/Ess-/Kochbereiche gefragt. „Solche Umbauten sind in einem Altbau unglaublich aufwändig und kosten eine Menge Zeit und Geld. Dagegen können beim Bau eines Holzfertighauses alle Räume exakt nach den Wünschen des Bauherren geplant und umgesetzt werden. Finanziell besonders attraktiv ist dabei die Nutzung einer Abrissprämie, wie sie bereits im Fertighaussektor angeboten wird“, so Klaas.

Wird der Grundriss des neuen Eigenheims dann noch mit breiteren Türen, flachen Bodenschwellen, leicht zu benutzenden sanitären Anlagen und automatisierten Elementen wie elektrischen Rollläden barrierefrei ausgelegt, ist auch das Wohnen im Alter, das früher nur allzu oft in einer kleinen Wohnung oder in einem Altersheim stattfand, kein Problem mehr: Je nach Gesundheitszustand können so viele Jahre mehr Unabhängigkeit in den eigenen vier Wänden herausgeschlagen werden, was die Lebensqualität im Alter deutlich verbessern kann.

Über Markus Burgdorf 205 Artikel
Markus Burgdorf ist Journalist und PR-Berater im Bereich Immobilien. Seit vielen Jahren schreibt er über alles, was mit Immobilien zusammenhängt. Er wohnt selbst in einer ehemaligen Schule, die er mit seiner Partnerin zum Wohnen und Arbeiten umbaut.

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