Der Expertentipp: Temperaturträgheit des Baustoffs Holz schafft Wohlfühlatmosphäre
30. Oktober 2009
Andreas Ludewig, Energieexperte beim Baustoffhersteller Massivholzmauer. Foto: djd/Massiv-Holz-Mauer Entwicklungs GmbH
Seit 2009 gilt die Novelle der Energieeinsparverordnung EnEV. Was bedeutet das für Bauherren?
- Die Anforderungen an die Energieeffizienz neu errichteter Gebäude steigen. Um in den Genuss staatlicher Förderungen zu kommen, muss die energetische Gesamtbilanz des Hauses deutlich besser ausfallen als im vergangenen Jahr.
Welche Bauweise schneidet besser ab: Holz- oder Massivbau?
- Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Zwischen den verschiedenen Holzbauweisen bestehen energetisch betrachtet zum Teil große Unterschiede. Eine deutlich bessere Wärmedämmung als Massivholz weist etwa die Massivholzmauer auf. Sie besteht aus den Abschnittsbrettern der Sägewerke, die gerillt und mit Alustiften zu einer massiven Holzmauer verpresst durch die Lufteinschlüsse bessere Dämmwerte aufweisen, ohne in Festigkeit und Verhalten eingeschränkt zu sein. Die EnEV berücksichtigt allerdings bisher nur den Wärmedurchgangswert (U-Wert) eines Baustoffs. Den tatsächlichen Heizbedarf beeinflussen aber weitere Faktoren wie Phasenverschiebung und Oberflächenstruktur. Hier schneidet Holz deutlich besser ab als Massivbaustoffe wie Beton, Ziegel oder Kalksandstein.
Wie muss man sich das vorstellen?
- Ob wir uns wohlfühlen, hängt nicht nur von der Lufttemperatur, sondern auch von der Temperatur der umgebenden Raumflächen ab. Unter anderem bedingt durch die geringe Temperaturleitfähigkeit, bleiben diese bei massiver Holzbauweise angenehm warm.
Gibt es dazu Vergleichszahlen?
- Die Austria Holzforschung hat bereits 2002 in Feldversuchen ermittelt, dass der reale Energiebedarf in einem massiv gebauten Holzhaus um 40 Prozent niedriger als in einem Ziegelhaus und um 56 Prozent niedriger als in einem Holzständerhaus liegt.
Wie steht es mit der Klimabilanz des Baustoffs Holz?
- In einer Cradle-to-Grave-Betrachtung, also von der Erzeugung bis zur Entsorgung, schneidet Holz hervorragend ab. Es wächst natürlich, muss zur Verarbeitung anders als Ziegel oder Kalksandstein nicht bei hohen und energieverschlingenden Temperaturen gebrannt werden, und zum Schluss seines Lebenszyklus dient es, etwa als Hackschnitzel, zur CO2-neutralen Energiegewinnung.

Die Massivholzbauweise überzeugt durch gutes Raumklima und hohe Wärmedämmung. Foto: djd/Massiv-Holz-Mauer Entwicklungs GmbH
Info: Wie entsteht ein Massivholzhaus?
Abschnittsbretter, die bei der Brettherstellung in Sägewerken anfallen, werden gerillt und in Kreuzlagen mittels korrosionsfester Alustifte zu einer massiven Holzmauer verpresst. Die Mauerelemente werden in verschiedenen Stärken und maßgenau nach Entwürfen des Architekten gefertigt. Die Montage der vorgefertigten Teile auf der fertigen Bodenplatte nimmt nur wenige Tage in Anspruch, Trocknungszeiten wie beim Massivbau entfallen. Die Wände können mit allen gängigen Fassaden- und Innenausbaumaterialien verkleidet oder verputzt werden.


