Mit Pflastersteinen gegen Luftschadstoffe
12. Februar 2008Neuartiger Zementwerkstoff "filtert" Abgase
Nach einer EU-Richtlinie sind für alle Staaten der Europäischen Union ab 2010 verbindliche Grenzwerte bei Luftschadstoffen wie den Stickoxiden (NOx) vorgeschrieben. Denn die schädigen die Atemwege und können chronische Bronchitis auslösen werden aber auch für die Entstehung des Sommersmog mit verantwortlich gemacht.
Stickoxide entstehen bei jedem Verbrennungsvorgang, sie sind im Bereich des Straßenverkehr in besonders hoher Dichte anzutreffen – meist also da, wo sich viele Menschen aufhalten. Neben der Bekämpfung der Entstehungsursachen wie z.B. ganzjährige Fahrverbote für Kraftfahrzeuge einzelner Schadstoffgruppen in den Umweltzonen der Innenstädte sowie Maßnahmen zur Verbesserung des Verkehrsflusses sowie Förderung und Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs gibt es jetzt eine sinnvolle Ergänzung, um die Schadstoffbelastung auf katalytischem Wege zu reduzieren.
Sonne gegen Schadstoffe
Die Oberfläche eines neuen Zementwerkstoffs namens TioCem kann mit Hilfe des Sonnenlichts Luftschadstoffe einfach abbauen. Verantwortlich dafür ist Titandioxid, das in feinen Nanopartikeln in den Zement eingearbeitet ist und als Photokatalysator wirkt. Es beschleunigt mit Hilfe des Sonnenlichts den Oxidationsprozess und damit den Abbau der Schadstoffe. Dadurch wird auch die Bildung von Ozon, Hauptursache für Sommersmog, deutlich verringert. In Labormessungen sank der Stickoxidgehalt der Luft unter Lichteinstrahlung schon nach wenigen Minuten um ein Drittel, berichtet Gerd Bolte, Projektleiter am HeidelbergCement Technology Center, die Wirkung wurde durch ein Institut der Universität Hannover bestätigt.
Besonders vorteilhaft ist es, dass Katalysatorwirkungen sich nicht abnutzen – der Zement wirkt so gut wie unendlich.
Pilotprojekt mit europäischer Perspektive
Im Prinzip kann jedes Zementprodukt mit den schadstoffabbauenden Eigenschaften ausgerüstet werden, da seine normalen Gebrauchseigenschaften nicht verändert werden. Die HeidelbergCement-Tochter Lithonplus führte bereits mit der Stadtverwaltung von Bietigheim-Bissingen ein Pilotprojekt mit der Verlegung von Pflastersteinen vor einem Kindergarten durch. Ein zweites Objekt in Bietigheim-Bissingen wird derzeit mit den neuen photoaktiven Pflastersteinen realisiert. In Duisburg wurde jetzt der erste “umwelt-aktive Dachstein " vorgestellt. Mehrere Mehrfamilienhäuser der Evonik Wohnen GmbH wurden mit den neuen ClimaLife-Dachsteinen der Firma Nelskamp eingedeckt. Die Oberfläche ist bei diesem Betondachsteine mit Mikrobeton aus TioCem verarbeitet. Zusammen mit einem Wohnhaus in Lichterfelde bei Berlin tragen bereits 3000 m² Dachfläche aktiv zur Reinigung der Luft bei.


